MA 22 – Wiener Umweltschutzabteilung

Stellungnahme der Österreichischen Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) vom 22.1.2021 zur naturschutzrechtlichen Einreichung zur Planungsfläche 8130, Donaufeld I, 1210 Wien (Wohnfonds Wien / Knollconsult)

Das überparteiliche Personenkomitee „Donaufeld ins Wiener Immergrün“ ist an die Österreichische Gesellschaft für Herpetologie (ÖGH) herangetreten, um eine Stellungnahme zu der vorliegenden naturschutzrechtlichen Einreichung (SAP inkl. Maßnahmenkonzept) der Firma Knollconsult für das Quartier An der Schanze im 21. Bezirk abzugeben. Die ÖGH ist ein gemeinnütziger Verein und eine anerkannte Umweltorganisation, die sich mit Amphibien und Reptilien beschäftigt. Da auf dem Planungsgebiet auch geschützte Amphibien- und Reptilienarten dokumentiert sind, weist die ÖGH in ihrer Stellungnahme speziell auf deren Bedürfnisse und die notwendigen Schutzmaßnahmen hin.

ÖGH Stellungnahme Donaufeld

Ein ganz herzliches DANKE an die Österreichische Gesellschaft für Herpetologie, Dr. Andreas Maletzky, ÖGH-Präsident, und Mag. Lukas Landler, Phd., Universität für Bodenkultur, Wien für ihre umfassende, wissenschaftliche Stellungnahme!

E-Mail vom 12.01.2021 – unser Antwortschreiben an die MA 22 – Wiener Umweltschutzabteilung

Sehr geehrte Frau Dr. Schreiner,
Sehr geehrte Frau MMag. Schönbrunner,

wie in unserem Schreiben vom 27.12.2020 angekündigt, hier nun der zweite Teil unserer Stellungnahme zum Einreichoperat von Knollconsult für das Donaufeld, Bauteil 1.

Was uns am Einreichoperat insgesamt erstaunt und irritiert:

  1. Es enthält keine Methoden und Beobachtungszeiträume zur Erhebung der angeführten Arten. Das ist für professionelle Studien jedoch schlichtweg Voraussetzung.
  2. Das Monitoring diverser hier angeführter Arten wurde mit 2017 datiert und stellt damit eine veraltete, nicht mehr aktuelle Information dar.
  3. Diverse von uns im Donaufeld festgestellte Arten fehlen oder sind fehlerhaft angeführt. Dazu nachfolgend einige Beobachtungen.
  4. Sehr befremdet uns auch die Aussage im Einreichoperat von Knollconsult bez. intensivem Pesizideinsatz in der Landwirtschaft. Im Donaufeld wird aber auf vielen Flächen – z.B. von der Bioschanze sowie dem Stadtgärtner (Bio-Brombeeren) – biologisch kultiviert und das schon über einen längeren Zeitraum hinweg. Die Bioschanze ist sogar Demeter zertifiziert.

Zu den Arten

Wechselkröte – siehe Mail vom 27.12.2020 (scrollen)

  Leitart Wechselkröte im Donaufeld. Uni Wien und Boku bestätigen uns ein großes Vorkommen.

Schmetterlinge

  Segelfalter im Donaufeld

Als Gemüsebaugebiet ist das Donaufeld zwar nicht das große Schmetterlingsbiotop, trotzdem wollen wir exemplarisch einige Arten aufzählen, die der Naturfotograf Harald Illsinger hier fotografisch festhalten konnte und die im Einreichoperat von Knollconsult nicht erwähnt werden, wie z.B. der Segelfalter, der Russische Bär oder der Skabiosenschwärmer  – Kategorie A Schmetterlingsarten lt. Wiener Naturschutzverordnung, der Segelfalter außerdem prioritär bedeutend. Weiters fehlen Hauhechel Bläuling und Möndchen Eule.

Im naturschutzfachlichen Einreichoperat von Knollconsult wurde hingegen kein einziger  Kategorie A Schmetterling angeführt, lediglich 5 Arten der Kategorie C und 7 Arten der Kategorie D  –  mit dem Zusatz „Für die geschützten Arten der Kat. C liegt ein Lebensraumschutz in allen nach dem Wiener Naturschutzgesetz geschützten Objekten und Flächen vor. Da entsprechende Schutzkategorien im Planungsgebiet nicht vorliegen, gilt für diese Arten kein Lebensraumschutz.“
Dies ist insofern falsch, als mehrere streng geschützte Kategorie A Schmetterlinge im Donaufeld vorkommen und für diese „Lebensraumschutz im gesamten Stadtgebiet“ gilt.

Der große Fuchs wurde im Einreichoperat von Knollconsult der Kategorie C zugeordnet anstatt richtig der Kategorie A und prioritär bedeutend.

Gemäß §15 des Wiener Naturschutzgesetzes ist zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensbedingungen für „prioritär bedeutend“ eingestufter Arten von der Landesregierung ein Arten- und Biotopschutzprogramm zu erstellen.

Vögel

  Neuntöter auf blühender Artischocke im Donaufeld

Von den im Donaufeld festgestellten 37 Vogelarten durch Knollconsult fallen 30 Arten in die Kategorie A – streng geschützte Art mit Lebensraumschutz im gesamten Stadtgebiet. In der Beschreibung sowie der anschließenden tabellarischen Aufstellung wurden verwirrend unterschiedliche Arten als Brutvögel im Untersuchungsgebiet bzw. der direkten Umgebung klassifiziert – darunter: Turmfalke, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Zilpzalp, Singdrossel, Nachtigall, Hausrotschwanz, Haussperling, Amsel, Dohle, Mauersegler, Mehlschwalbe, Buntspecht, Grünfink, Stieglitz.

Überaus dürftig fallen im Einreichoperat von Knollconsult die Beschreibungen und Ausführungen zu den Vogelarten der Kategorie A aus (hier im Vergleich dazu ein entsprechendes Papier aus Deutschland mit ausführlicher Behandlung der Feldlerche – welch ein Qualitätsunterschied!)

Als Nahrungsgäste im Donaufeld werden im Einreichoperat von Knollconsult außerdem angeführt: Stockente, Jagdfasan, Turmfalke, Lachmöwe, Straßentaube, Ringeltaube, Türkentaube, Mauersegler, Buntspecht, Elster, Dohle, Saatkrähe, Rabenkrähe, Nebelkrähe, Blaumeise, Rauchschwalbe, Mehlschwalbe, Fitis, Star, Trauerschnäpper, Feldsperling, Bachstelze, Stieglitz, Hänfling.

Nicht angeführt, jedoch ebenfalls als Nahrungsgäste sind im Donaufeld anzutreffen: Sperber, Waldohreule, Haus-und Gartenrotschwanz, Rohrammer, Grünfink, jedes Jahr durchziehende Grauschnäpper als Jagd- und Futtergebiet.

Keine Erwähnung finden der im Donaufeld brütende Neuntöter (Kategorie A, prioritär bedeutend), das Braunkehlchen, der Sperber, die Rohrammer (Wintergast), der Weißstorch (Durchzugsgast – 2020 für 3 Tage Zwischenstation im Donaufeld).

Lapidar stellt Knollconsult fest, dass „die Lebensräume der geschützten Brutvögel noch häufig und nicht gefährdet seien“. Der Baum- und Buschbestand im Planungsgebiet biete nur ein geringes Bruthöhlen- und Nistmöglichkeitenpotential. Die meisten Brutvögel stammten somit aus den direkt angrenzenden Gärten und Parks. Lediglich als Nahrungsgebiet sei das Planungsgebiet für einige Arten durchaus von Bedeutung.

Wie sollen wir das verstehen? Für den Schutz geschützter Vogelarten sind die Eigentümer der angrenzenden Gärten zuständig? Oder sollen die Vögel an anderen Orten Nistplätze und Futter suchen?

Vergessen wurde auch zu erwähnen, dass das Donaufeld für viele Vogelarten wie der Mehl- und Rauchschwalbe, die in angrenzenden Bereichen wie z.B. der Tokiostraße brüten, als Lieferant für Nestbaumaterial dient. Ein Wegfallen dieser Flächen hätte auch zur Folge, dass diese Vögel von dort abwandern (müssten!).

Auch an dieser Stelle weisen wir darauf hin: Gemäß §15 des Wiener Naturschutzgesetzes ist zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensbedingungen für „prioritär bedeutend“ eingestufter Arten von der Landesregierung ein Arten- und Biotopschutzprogramm zu erstellen. Im konkreten Fall trifft dies auf folgende Vogelarten zu: Dohle, Mehlschwalbe, Neuntöter.

Wir verweisen außerdem auf einen interessanten Artikel zum Vogelsterben und seinen Ursachen: Braunkehlchen in Schwierigkeiten. Noch stärker und schneller als in Deutschland ist mit 46 % der Rückgang der Braunkehlchen in Österreich (Rote Ampel-Liste Birdlife, Rote Liste Österreich: stark gefährdet). Die Bestände sanken von 3.500 bis 7.000 Brutpaaren (1998 bis 2002) auf 2.200 bis 3.500 Brutpaare (2008 bis 2012). (Umweltbundesamt,Bericht nach Artikel 12 der Vogelschutzrichtlinie an die EU-Kommission).

Fledermäuse

  Fledermaus im Donaufeld

Ähnlich wie mit den Vögeln verhält es sich lt. Einreichoperat von Knollconsult mit den prioritär bedeutenden Fledermausarten im Donaufeld. Wir gehen vorerst nicht näher darauf ein.

Weitere geschützte Tierarten

  Zauneidechse im Donaufeld

Wieder beziehen wir uns auf Fotos des Naturfotografen Harald Illsinger, die ein Vorkommen folgender Arten im Donaufeld belegen, obgleich diese im Einreichoperat von Knollconsult nicht genannt werden: Zauneidechse (streng geschützt, Kategorie A), Ringelnatter (streng geschützt, Kategorie A), Weißbrustigel (geschützte Art, Kategorie B), Libellen großer Zahl wie z.B. der Zweifleck (prioritär bedeutende Art, Kategorie B), Wildbienen und viele weitere Tierarten wie Dachse (geschützte Art, Kategorie C), Marder, Fasane etc.

Auch hier gilt wieder: Gemäß §15 des Wiener Naturschutzgesetzes ist zur Erhaltung und Verbesserung der Lebensbedingungen für „prioritär bedeutend“ eingestufter Arten von der Landesregierung ein Arten- und Biotopschutzprogramm zu erstellen.

Fazit
Aufgrund der von uns hier aufgezeigten Punkte stellt das Einreichopert von Knollconsult aus unserer Sicht keine geeignete Basis dar, um die Situation im Donaufeld naturschutzfachlich beurteilen zu können. Wir ersuchen daher um eine nochmalige, genaue Kartierung mit Angabe von Erhebungszeitpunkten, Erhebungsdauer und welche Methodik jeweils angewendet wurde. Für das Monitoring der Vögel fordern wir mindestens die Anwendung der Kriterien von Birdlife sowie auch Nachterhebungen bei nachtaktiven Vogel- und Fledermausarten und auch weiteren nachtaktiven Arten.

Wir erwarten als Ergebnis eine saubere Abhandlung und eine naturschutzfachlich gute Datenlage. Diese ist Voraussetzung, um die Ausgangssituation beurteilen und erforderliche Maßnahmen zum Schutz streng geschützter und prioritär bedeutender Arten im Donaufeld festlegen und setzen zu können.

Wir sehen uns als sehr naturinteressierte Menschen, mit zum Teil auch fachlichem Hintergrund (in der Gruppe befinden sich unter anderem Biologinnen, diplomierte Umwelttechniker, Landschaftsgärtner mit ökologischem Fachwissen – wenn auch ohne Gutachterstatus). Das vorliegende Einreichoperat von Knollconsult stärkt nicht unser Vertrauen in dieses Unternehmen und wir ersuchen, ein anderes Expertenbüro zu beauftragen.

Ihrem Antwortschreiben sehen wir mit Interesse entgegen.

Mit besten Grüßen

Gabriele Tupy
Für das überparteiliche Personenkomitee ‚Donaufeld ins Wiener Immergrün‘

E-Mail vom 27.12.2020 – unser Antwortschreiben an die MA 22 – Wiener Umweltschutzabteilung

Sehr geehrte Frau MMag. Schönbrunner,
Sehr geehrte Frau Dr. Schreiner,

vielen Dank für die Übermittlung des naturschutzfachlichen Einreichoperats der Firma Knollconsult – Donaufeld Naturschutzfachliches Einreichoperat Knollconsult.

Nach einer ersten Durchsicht hier einige Anmerkungen und Fragen an Sie:

Zur Wechselkröte

Die Wechselkröte steht in Österreich auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten, ist in Wien streng geschützt und auch in der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Anhang IV, gelistet. Für diese Art müssen daher vor einer Verbauung  Ersatzlebensräume zur Verfügung gestellt werden.

  1. Das naturschutzfachliche Einreichoperat der Firma Knollconsult weist im ersten Baugebiet 19 gezählte Wechselkröten aus. Zwischen Oktober 2020 und Februar 2021 werde ein Laichgewässer auf einer CEF-Fläche hergestellt und außerhalb der Laichperiode die Senke, die sich in den letzten Jahren immer wieder mit Wasser füllte und als Laichhabitat diente, zugeschüttet.
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  2. Dr. Lukas Landler vom Institut für Zoologie der BOKU in Wien leitet aktuell das Wechselkrötenprojekt „Die Wechselkröte in Wien: Populationsökologie und Wanderdynamik im urbanen Raum“ (Projektlaufzeit 15.03.2020-01.10.2025). Weiters betreut er aktuell gemeinsam mit Univ. Doz. Günter Gollmann, Universität Wien und MSc. Stephan Burgstaller ein Wechselkröten-Projekt im Donaufeld – die MA 22 ist darüber informiert. Der Schätzwert aus einer Fang-Wiederfangstudie von Wechselkröten im Jahr 2020, die anhand des Rückenmusters wiedererkannt wurden, liegt lt. Univ. Doz. Günter Gollmann bei 121, die Zahl der registrierten Individuen bei 79. Die meisten dieser Kröten wurden an dem einen Laichgewässer im ersten Baugebiet gefunden, das jetzt zugeschüttet werden soll.
    Aus unserer Sicht sind für das naturschutzbehördliche Bewilligungsverfahren daher die aktuellen Daten der BOKU und Universität Wien heranzuziehen: geschätzte 121 Wechselkröten, nachweislich gezählte 79 anstatt 19 lt. Einreichoperat Knollconsult.
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  3. In einer Studie über die Wechselkröten in Simmering ist zu lesen: Gemäß SCHNITTER et al. (2006) gilt der Zustand einer Population als hervorragend, wenn mehr als 100 Tiere nachgewiesen werden können und auch in Wien sind heutzutage Bestände von 100 Individuen als sehr große Vorkommen zu werten (RIENESL 2017). Und weiters, dass B. viridis in urbanen Lebensräumen häufig unter einem Mangel an geeigneten Laichgewässern leidet (z.B. KÜHNEL & KRONE 2003, KOVÁCS & SAS 2010).
    Das Vorkommen der Wechselkröte im Donaufeld kann somit als sehr groß gewertet werden. Welche Auswirkungen hat dies auf die von Ihnen geforderten CEF-Maßnahmen?
    Wir gehen davon aus, dass zur Erhaltung der Wechselkrötenpopulation neben der Schaffung von Laichgewässern auch die Bewahrung von größeren offenen Flächen notwendig wäre, als lt. Einreichoperat von Knollconsult vorgesehen. Diese müssen VOR einer Lebensraum-Zerstörung auch nachweislich funktionieren.
    Wir weisen besonders deshalb darauf hin, weil in den letzten Tagen vor Weihnachten bereits Baucontainer im Baufeld 1 aufgestellt wurden (auf einer Fläche, auf der u.U. Wechselkröten im Erdreich überwintern?!).
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  4. Stefan Burgstaller, BSc MSc hat wertvolle Daten über eine Wechselkröten-Population im innerstädtischen Rudolf-Bednar-Park (Leopoldstadt) gesammelt. Obwohl diese Population seit Jahren stabil zu sein scheint, hätten erste Ergebnisse eine erschreckend hohe Sterblichkeit vermuten lassen. Er entwickelt daher Anweisungen für den angewandten Naturschutz und den Erhalt der Wechselkröte in urbanen Lebensräumen und untersucht die Auswirkung menschlichen Einflusses auf Amphibien-Populationen.
    Wir ersuchen, auch die Ergebnisse seiner Arbeit in das naturschutzrechtliche Bewilligungsverfahren einfließen zu lassen.
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  5. Weiters ist in einer Studie über die Wechselkröte in Simmering zu lesen: „In Zukunft ist mit steigendem Nutzungsdruck im Stadterweiterungsgebiet eine fortschreitende Einschränkung des geeigneten Lebensraumes zu erwarten, die mittel- bis langfristig für die Population existenzbedrohend sein könnte. Die derzeit ausreichend vorhandenen Laichgewässer sind direkt mit den Gemüseanbaubetrieben verknüpft, sodass ein Rückgang der gärtnerischen und landwirtschaftlichen Nutzung für die Wechselkröten zu einer gravierenden Verschlechterung der Situation führen würde, sowohl hinsichtlich ihrer Reproduktionsmöglichkeiten als auch der Landhabitate“ und „Da das Gebiet insgesamt bereits einem hohen Nutzungsdruck unterliegt und in den letzten Jahren viele Flächen verbaut wurden, ist eine zusätzliche Versiegelung der noch bestehenden Ruderal- und Ackerflächen aus Sicht des Arten- und Naturschutzes unbedingt zu vermeiden“.
    Dies gilt aus unserer Sicht ebenso für das Donaufeld. Welche Maßnahmen sind daher zu setzen bzw. werden von Ihnen gesetzt?
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  6. Empfohlen wird weiters eine „amphibienverträgliche“ Bewirtschaftung der Agrarflächen – schonende Nutzung, d.h. Durchforsten nicht mit schweren Maschinen, nicht von Oktober bis März (Winterquartiere). Leider wurde im Donaufeld 2020 (im Auftrag des Wohnfonds Wiens?) gleich mehrfach bis in den Boden hinein gemulcht, zuletzt beobachteten wir dies kurz vor dem 13. November 2020 im Bereich des 1. Bauteils – also während der Ruheperiode der Wechselkröte. Bilder aus dem Sommer beweisen, dass geschützte Tiere verletzt wurden – siehe Ringelnatter anbei. Welche Maßnahmen setzt hier die MA 22? Was tun Sie zum Schutz der Tiere? (Im Einreichoperat von Knollconsult scheinen übrigens keine Nattern auf).
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  7. Welche Maßnahmen planen Sie, um die Todesfälle im Straßenverkehr im Donaufeld zu reduzieren, die Laichgemeinschaften zu fördern und den Lebensraum zu erhalten bzw. zu verbessern?
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  8. Noch 2010 wurde die Wechselkröte bei Erhebungen in den Stadtrandgebieten von Wien an 37 von 85 untersuchten Gewässern festgestellt (siehe Studie zur Wechselkröte in Simmering), wobei nur wenige bis keine längerfristig gesicherten Laichgewässer vorhanden waren (CSARMANN et al. 2010). Zuletzt konnten im Rahmen der Laichgewässerkartierung 2015/16 nur noch 13 von 36 ehemaligen Reproduktionsstätten in Wien bestätigt werden (GRILLITSCH & SCHWEIGER 2016). Ein Großteil davon befindet sich in den südlichen Stadtteilen, während nördlich der Donau viele der Stadterweiterung weichen mussten. Die Wechselkröte bewohnt in der Bundeshauptstadt gegenwärtig nur mehr einen Bruchteil des klimatisch und von der Bodenbeschaffenheit geeigneten Areals (RIENESL 2017). Welche Maßnahmen setzen Sie nun im Donaufeld? 

Im gesamten österreichischen Verbreitungsgebiet leidet die Wechselkröte an einer andauernden Verringerung von Lebensräumen und der zunehmenden Trockenheit aufgrund der intensiven menschlichen Nutzung und dem Klimawandel. Klimawandel und Verlust der Biodiversität gehen Hand in Hand.
Wir ersuchen Sie daher dringend geeignete Maßnahmen zu setzen, um den Verlust der Biodiversität im Donaufeld zu stoppen! Die Wechselkröte ist hier als eine der Leitarten anzusehen.

In den kommenden Tagen senden wir Anmerkungen auch zu weiteren Arten. 

Mit besten Grüßen

Gabriele Tupy
Für das überparteiliche Personenkomitee ‚Donaufeld ins Wiener Immergrün‘

E-Mail vom 21.12.2020

Sehr geehrte Frau Tupy,

nach Beantwortung Ihrer Anfrage ist bei uns ein Ansuchen um naturschutzbehördliche Bewilligung eingebracht worden. Diesem liegt auch das naturschutzfachliches Einreichoperat der Firma Knollconsult bei, das Sie angefragt haben und im Anhang finden.
Donaufeld Naturschutzfachliches Einreichoperat Knollconsult

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass dieses Einreichoperat im Zuge des naturschutzbehördlichen Bewilligungsverfahrens eingehend geprüft werden wird. Eine Ausnahmebewilligung kann nur unter den strengen Vorgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und des Wiener Naturschutzgesetzes erfolgen.

Weitere Umweltinformationen liegen uns derzeit nicht vor.

Mit freundlichen Grüßen
MMag. Iris Schönbrunner

Für die Abteilungsleiterin

MMag. Iris Schönbrunner
Bereich Umweltrecht
Umweltschutz
1200 Wien, Dresdner Straße 45